GModG erhöht die Kosten jedes Jahr. Wer zu lange wartet, verliert Förderung und zahlt mehr Betriebskosten. So entscheiden Sie klug.
Eine Heizung ist kein Smartphone — sie läuft 15 bis 20 Jahre. Wer heute eine neue Gasheizung einbaut, betreibt sie noch bis 2041 oder länger. In dieser Zeit werden Bio-Treppe und CO₂-Preis die Betriebskosten erheblich erhöhen. Wer heute eine Wärmepumpe oder ein anderes klimafreundliches System einbaut, ist dagegen gegen diese Kostensteigerungen weitgehend geschützt.
Gleichzeitig sind die Förderkonditionen nicht ewig so gut wie heute. Die BAFA-Förderung für den Heizungstausch (Bundesförderung für effiziente Gebäude — Einzelmaßnahmen, BEG-EM) bietet derzeit bis zu 70 % Investitionskostenzuschuss. Das ist historisch einmalig und politisch nicht auf Dauer garantierbar.
Drei Dinge verschlechtern sich mit jedem Jahr Warten:
1. Höhere Betriebskosten: Bio-Treppe und CO₂-Preis steigen jährlich. Jedes Jahr mit der alten Gasheizung kostet mehr als nötig — und das delta summiert sich.
2. Geringere Förderung: Die BAFA-Förderquoten können jederzeit gesenkt werden. 2022 wurden die Sätze bereits einmal deutlich reduziert. Es gibt keine Garantie, dass 70 % dauerhaft gelten.
3. Marktengpass bei Handwerk: Wenn viele Eigentümer gleichzeitig wechseln wollen (z. B. kurz vor der nächsten Kostenstufe), wird Handwerk knapp und teuer. Wer früh plant, bekommt bessere Konditionen und kürzere Wartezeiten.
Die ehrliche Antwort: Es gibt nicht den einen perfekten Zeitpunkt. Aber es gibt klare Leitlinien:
Jetzt sofort sinnvoll, wenn:
• Die bestehende Heizung alt ist (Baujahr vor 2000) oder Reparaturbedarf zeigt
• Das Gebäude bereits gut gedämmt ist (Energieklasse C oder besser)
• Sie ein EFH mit Flächenheizung oder modernen Heizkörpern haben
• Sie die BAFA-Förderung sicher mitnehmen möchten
Noch 1–3 Jahre Zeit, wenn:
• Die Heizung noch relativ neu ist (Baujahr nach 2015) und zuverlässig läuft
• Sanierungsmaßnahmen (Dämmung, Fenster) geplant sind, die erst abgeschlossen werden sollten
• Die Finanzierung noch vorbereitet werden muss
Nicht mehr empfehlenswert:
• Eine neue Gasheizung jetzt einbauen, ohne konkreten Plan für den Ausstieg — die Betriebskosten steigen, die Förderfähigkeit sinkt, der Wechsel wird teurer
Das GModG lässt die Wahl der Heiztechnologie offen — aber nicht alle Optionen sind gleich wirtschaftlich:
Wärmepumpe (Luft-Wasser oder Erdwärme): Die erste Wahl für gut sanierte Gebäude mit Niedertemperaturheizung. Hoher Wirkungsgrad (COP 2,5–5), keine Brennstoffkosten, zukunftssicher. Förderfähig mit bis zu 70 % BAFA. Nachteil: Hohe Investitionskosten, nicht in jedem Gebäude wirtschaftlich.
Fernwärme: Ideal in städtischen Gebieten mit Fernwärmeausbau. Keine eigene Anlage, keine Brennstoffkosten. Problem: Verfügbarkeit regional sehr unterschiedlich, Ausbau langwierig.
Hybridheizung (Wärmepumpe + Gas-Backup): Guter Kompromiss für schlecht gedämmte Gebäude. Die Wärmepumpe übernimmt die Grundlast, Gas deckt Spitzenlast ab. Biomethan-Pflicht und CO₂-Preis fallen nur auf den Gas-Anteil an.
Biomasse / Pelletheizung: Klimaneutral, aber abhängig von Holzpellet-Markt. Platzbedarf für Lager. In städtischen Gebieten oft nicht zulässig (Immissionsschutz).
Die Investitionskosten hängen stark von der Gebäudegröße und dem gewählten System ab. Orientierungswerte für ein Einfamilienhaus:
Luft-Wärmepumpe (komplett inkl. Installation):
• Brutto: 18.000–30.000 €
• BAFA-Förderung (70 %): 12.600–21.000 €
• Eigenanteil: ca. 5.400–9.000 €
Erdwärme-Wärmepumpe (mit Bohrung):
• Brutto: 25.000–45.000 €
• BAFA-Förderung (70 %): 17.500–31.500 €
• Eigenanteil: ca. 7.500–13.500 €
Die 70 %-Förderquote gilt für Eigentümer von selbstgenutzten Wohngebäuden ab 20 Jahren Gebäudealter, die auf eine Wärmepumpe umsteigen. Vermieter erhalten bis zu 55 %.
Für die Finanzierung des Eigenanteils bietet die KfW zinsgünstige Kredite (Programm 261 oder 358) — teils mit Tilgungszuschuss kombinierbar.
1. Kosten-Check: Aktuellen Gasverbrauch in den klarino-Rechner eingeben und sehen, wie sich die Kosten bis 2040 entwickeln — das schafft die Entscheidungsgrundlage.
2. Gebäude-Check: Welche Energieeffizienz hat das Gebäude? Ist eine Wärmepumpe technisch sinnvoll? Ein kostenloser Basischeck beim Energieberater hilft.
3. Förderung beantragen: BAFA-Antrag VOR Beauftragung des Handwerkers stellen — sonst verfällt die Förderung. Der Antrag kann online gestellt werden, dauert meist 1–3 Wochen.
4. Angebote einholen: Mindestens drei Handwerkerangebote einholen. Große Preisunterschiede von 20–40 % sind normal.
5. Finanzierung klären: KfW-Kredit beantragen, falls Eigenanteil nicht sofort verfügbar ist.
6. Installation: Planung und Installation dauern 2–6 Wochen — in Hochsaison länger. Im Sommer installieren lassen, wenn kein Heizdruck herrscht.
Was kostet Ihre Gasheizung noch — und wann hat die Wärmepumpe sie amortisiert? Der klarino-Rechner zeigt beide Szenarien.